Einsamkeit, Verrat, Trost – „Genauso ist das Leben“

Wie die evangelische Schuldekanin Beate Großklaus Kindern und Jugendlichen die Bedeutung des Karfreitags vermittelt


Von Birgit Sommer


Heidelberg, 02./03.04.2015. Was bedeutet der Karfreitag den Jugendlichen von heute? Die Heidelberger evangelische Schuldekanin Dr. Beate Großklaus, Religionslehrerin an der Gemeinschaftsschule auf dem Boxberg und zuvor zehn Jahre lang am Thadden-Gymnasium, macht in ihrem Unterricht interessante Erfahrungen mit diesem christlichen Feiertag. An ihm wird der Kreuzigung Jesu Christi gedacht.

> Frau Großklaus, morgen ist Karfreitag – können Kinder und Jugendliche mit diesem Tag noch etwas anfangen?

Sie wissen noch, dass da einer am Kreuz gestorben ist, aber es ist ganz schwer zu verstehen, warum er gestorben ist. Dass jemand sein Leben aus Liebe hingibt für seine Freunde – diese Hingabe können sie eher verstehen. Manche wissen, dass es der höchste Feiertag in der evangelischen Kirche ist. Andere haben keine Ahnung.

> Wie vermitteln Sie das Thema Karfreitag im Unterricht?

Man kriegt das nur über Geschichten hin, die berühren. Oder wenn die Kinder mit Leid konfrontiert werden wie jetzt beim Flugzeugunglück in Frankreich. Wenn man erfährt, dass Gott einen auch in dunkelsten Momenten nicht im Stich lässt. Nicht viele Religionen trauen sich, dem Tod so nahe zu sein. Manche Jugendlichen haben durchaus schon mal selbst das Gefühl gehabt, „ich wollte, ich wäre tot“.

> In der schwierigen Zeit der Pubertät?

Ja, zum Beispiel. Auch die Einsamkeit, die Jesus im Garten Gethsemane und am Kreuz erlebt, wenn er verzweifelt schreit „mein Gott, warum hast du mich verlassen“, damit können Jugendliche etwas anfangen.

> Hat der Karfreitag nicht etwas Bedrückendes? Kann man das Leid wirklich noch vermitteln?

Das geht schon, wenn man sich in die Welt der Jugendlichen hineintraut. Man kennt das ja aus der eigenen Jugend, dass man sich fragt, wer bin ich, wer mag mich, wer steht zu mir? Diese Suche nach Trost. Auch der Verrat an Jesus durch Judas: Genauso ist das Leben. Wenn die jungen Leute mitkriegen, dass das auch nach 2000 Jahren noch etwas mit unserem Leben zu tun hat, ist ihnen keine Geschichte fremd.

> Halten sie die Geschichten aus der Bibel nicht für Ammenmärchen?

Wenn man sie mit der Welt der Schüler verknüpfen kann, dann verstehen sie das sehr gut. Sie kennen ja auch Dinge wie Selbstverletzungen und Ritzen und fragen sich vielleicht, warum passiert das mir, warum geht es meiner Freundin besser? Ich liebe es, das Buch Hiob zu unterrichten – der Mann, der alles richtig gemacht hat und dennoch alles verliert. Da sagen die Schüler natürlich: Was ist das für ein Gott, der das zulässt? Und wir Christen behaupten, dass Gott auch bei einem tiefen Fall mitgeht und die Menschen nicht alleine lässt.

> Die Jugendlichen sind heute ja viel mehr als früher den Einflüssen anderer Religionen ausgesetzt. Wirkt sich das aus?

Im Islam zum Beispiel spielt Jesus ebenfalls eine große Rolle und wird verehrt. Oder manche finden das Thema Wiedergeburt aus dem Buddhismus attraktiv. In ihrer großen Sehnsucht nach Gerechtigkeit finden sie es richtig, dass schlechte Menschen nach der Wiedergeburt ein niedrigeres Lebewesen sein sollen. Hier ist die christliche Lehre, dass Gott einen in jedem Fall annimmt und man nicht als Ameise wiedergeboren wird, tröstlich.

 
Eine geniale Ausstellung: Martin Luther King - ein Tipp der Pastorin Mareike Klaus:

Bitte vormerken: Vom 15. bis 25. Oktober 2018 in der Baptistischen Gemeinde in der Südstadt - eine hochwertige Ausstellung - nicht nur für RU, auch für Ethik und Geschichte geeignet:

„Der King-Code“- Ausstellung über Martin Luther King Jr.

Heidelberger Präventionsgespräche im Rahmen des Projekts „Quwwa – Stärke statt Sprachlosigkeit“

  • 20.09.2018: Warum der Salafismus den jugendkulturellen Aspekt erfüllt
  • 29.11.2018: Schulpädagogischer Umgang mit demokratiefeindlichen Haltungen

Mehr unter: Ethem Ebrem, Projektleitung, mob. 0163 765 5467, info[at]quwwa[dot]de, www.quwwa.de

Martin Luther und die Juden

Miteinander reden